Das Gnadenbild  

Foto vom Gnadenbild

 

 

Das Werler Gnadenbild ist sowohl für die Frömmigkeits- als auch für die Kunstgeschichte von großer Bedeutung. Es gehört zur Gruppe der sog. „Ringpfostenmadonnen“:

Maria ist erhaben auf einem Thron sitzend dargestellt und ist zugleich selbst Thron für ihren Sohn Jesus Christus. Mittelpunkt dieses Bildtypus, der mit einer Anrufung aus der Lauretanischen Litanei auch als „Sitz der Weisheit“ (sedes sapientiae) bezeichnet wird, ist nämlich immer die Christusfigur, die hier keinen Knaben, sondern vielmehr den Herrn als Richter der Welt abbildet.

Weil in Schweden und vor allem auf der Insel Gotland zahlreiche vergleichbare Statuen nachweisbar sind, vermutete man lange auch von dort die Herkunft der Werler Madonna. Neueste Forschungsergebnisse legen allerdings ihre Entstehung um 1180 im Rheinland oder in Westfalen nahe.

 

 

Wo das Werler Marienbild zunächst seinen Bestimmungsort hatte, ist unklar. Viele Legenden ranken sich um diese Frage.

Mit dem Jahr 1351 wird es dann im Zusammenhang mit einer Prozession in Soest als „Onse Vrowen tor wese“ erwähnt.

Manches spricht dafür, dass die Statue bereits spätestens seit dem Neubau der Soester Wiesenkirche, deren Grundsteinlegung für das Jahr 1313 bezeugt ist, hier ihren Platz hatte und bis zur Einführung der Reformation 1531 eine große Verehrung erfuhr.

Danach wurde die Skulptur aus der Kirche entfernt und an einen verborgenen Ort – vielleicht Sakristei oder Dachboden der Kirche – verbracht, bis sie 1661 in Werl zu neuen Ehren gelangte.

Christusfigur